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Berichte zu Kliniken, Dialysepraxen und Ärzten

Menschlich gesehen: Prof. Dr. Lutz Fricke

Im März 2006 besuchten Angelika Bauer und Christa Marsig (IkN-Hamburg) Prof. Dr. Lutz Fricke, den Leiter des Interdisziplinären Transplantationszentrums, Med. Klinik I des UKSH, Campus Lübeck.

Wir (die IkN) wollen in loser Reihenfolge verschiedene Ärzte sowie Transplantationszentren und Gefäßchirurgen vorstellen. Im Januar 2001 war meine erste Dialyse und im gleichen Jahr hatte ich mehrfach die Gelegenheit, Prof. Fricke bei verschiedenen Vorträgen zu erleben. Den Eindruck, den ich dabei von Prof. Fricke gewann, vertiefte sich noch bei meinem Vorstellungsgespräch zwecks Transplantation in Lübeck. Schon damals war ich von seiner heiteren, humorvollen Art angetan und auch in Lübeck auf seiner Station konnte ich diese Stimmung spüren und fühlte mich sofort gut aufgehoben. Daher war Prof. Fricke mein Wunschkandidat und mit ihm wollte ich auch diese Reihe eröffnen. Christa Marsig kümmerte sich netterweise um den Termin und sollte mich auch begleiten. Es dauerte auch nicht lange und als der Termin bekannt war, freute ich mich schon sehr auf diesen Besuch.

Am Dienstag, dem 28.03.2006 war es soweit. Wir fuhren gutgelaunt nach Lübeck und strahlten mit der Sonne um die Wette. Pünktlich trafen wir im Transplantationszentrum ein und wurden von einer sehr freundlichen Frau Petersen begrüßt. Es dauerte auch nicht lange und Prof. Fricke stand uns zur Verfügung.

Ich hatte einige Fragen vorbereitet und hatte sogar ein Diktiergerät mitgenommen, damit uns wichtige Antworten nicht entgehen konnten. Aber wie das im Leben so ist, kommt alles anders als geplant und in diesem Fall auch viel schöner.

Nachdem wir uns begrüßt und dann Platz genommen hatten, begann eine sehr lockere und heiter geführte Unterhaltung, die auch durch viel Gelächter des Öfteren unterbrochen wurde. Mein Diktiergerät war schnell vergessen und das war auch gut so, denn ich denke, die Unterhaltung hätte einen Umbruch erlitten und das wollte ich nicht. Auch deshalb war ich froh, Christa an meiner Seite zu haben, denn sie machte nicht nur die Fotos, sondern schrieb auch Stichpunkte für mich auf.

Deshalb bekommen Sie hier keine Fragen und Antworten, sondern ich teile das Gespräch in zwei Einheiten auf. Zum einen versuche ich ein Porträt von Prof. Fricke zu zeichnen, welches einerseits seinen Werdegang kurz schildert aber anderseits auch seine menschliche Persönlichkeit hervorhebt. Auch möchte ich Ihnen gerne das Transplantationszentrum vorstellen.

Prof. Dr. Fricke wurde 1952 in Goslar geboren. Goslar ist eine Kaiserstadt am Rammelsberg im Harz. Es stand für ihn schon recht früh fest Mediziner zu werden. Da es damals noch lange Wartezeiten auf einen entsprechenden Studienplatz gab, fing er 1973 ein Studium der Chemie in Würzburg an, um die Wartezeit zu überbrücken. 1977 war es dann soweit und er studierte in Regensburg, Hannover und Lübeck Medizin. Von 1983 bis 1990 machte er seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin an der Medizinischen Hochschule Lübeck. Seine erste Stelle in Lübeck war in der Kardiologie - wurde aber schon bald von der Nephrologie abgeworben. Seit 1999 ist Prof. Fricke Leiter des Interdisziplinären Transplantationszentrums. Bis hierhin war es für ihn ein langer und weiter Weg durch die Bundesrepublik, von Goslar nach Würzburg. Von dort für kurze Zeit noch südlicher nach Regensburg, dann ein Riesensprung zurück in den Norden nach Hannover und später nach Lübeck, jetzt wohnhaft im tiefsten Ostholstein. Den Ostholsteinern sagt man ja eine gewisse Sturheit nach. Da ich selber einige Jahrzehnte meine Wochenenden dort verbrachte, hatte ich genügend Gelegenheit, diesen Menschenschlag kennen zu lernen. Prof. Lutz Fricke hat sich dort gut eingelebt, vermisst aber hin und wieder seine Berge. Wir haben zwar unseren Bungsberg mit immerhin stolzen 168 m einschl. Skilift, aber dieser kann nicht wirklich mit den Bergen aus dem Harz konkurrieren.

Die Gründung des Transplantationszentrums in Lübeck erfolgte 1980 durch den Chirurgen Prof. Hoyer und im Jahre 1990 wurde entschieden, die Nierentransplantationsstation nephrologisch zu führen und das Zentrum mit den Transplantationschirurgen gemeinsam zu leiten. Die internistisch-nephrologische Leitung übernahm fortan Prof. Lutz Fricke.

Am 31. Okt. 2003 wurde feierlich der Neubau des Interdisziplinären Transplantationszentrum eingeweiht, die Bettenkapazität musste von 8 auf 14 Betten erhöht werden, da dieses Zentrum zu den größten Nierentransplantationszentren in Norddeutschland gehört. Lübeck hat sich seit Gründung des Zentrums auf Nierentransplantationen spezialisiert und gehört mit ca. 80 Transplantationen jährlich zu den 10 größten Nierentransplantationszentren in Deutschland. Neben der Nieren- und Pankreastransplantation besteht seit langen Jahren auch ein sehr aktives Programm für die Nieren-Lebendspende.

Die Transplantationsstation hat insgesamt 14 Betten, davon 4 Intensivbetten. Das Personal ist schon sehr lange dabei und so hat Prof. Fricke wenig Probleme mit personeller Fluktuation, was sicher für dieses Zentrum spricht. Es gibt keine so genannten Revierkämpfe und alle verstehen sich als Team. Darauf zu achten hat sich unter anderem Prof. Fricke zur Hauptaufgabe gemacht und das spürt man, wenn man das Zentrum betritt.

Auch laufen alle Organangebote von Eurotransplant - auch nachts - über Prof. Fricke, der somit selbst eine qualitative Auslese treffen kann. Damit will er erreichen, dass der Patient auch wirklich das zu ihm am besten passende Organ erhält. Es geht ihm dabei mehr um die Qualität als um die Quantität.

Die Transplantierten erwartet auch in der Nachsorge in der Regel ein kontinuierlich festes Personal, so dass man sich auch hier wieder gut aufgehoben fühlen kann.

Was ich persönlich gut finde ist, dass man als Patient schon ab der Wartezeit über die Transplantation bis zur Nachsorge in einem Zentrum betreut wird.

Ich habe wieder einmal Prof. Fricke als humorvollen Menschen erlebt, der eine heitere Gelassenheit und eine natürliche Herzlichkeit ausstrahlt. Wir, Christa Marsig und ich, haben uns während unseres Gespräches bei Prof. Dr. Fricke sehr wohl gefühlt.

Danke Herr Prof. Fricke für das sehr schöne Gespräch mit Ihnen, und dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.

Angelika Bauer

25 Jahre Transplantation in Lübeck

Unter dem Motto "25 Jahre Transplantation in Lübeck" erreichte uns die diesjährige Einladung zum vorweihnachtlichen "Jubiläumskaffee" mit "speziellen Gästen". Von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr wurden wir, wie im letzten Jahr, ins Senator-Hotel Radisson SAS in Lübeck eingeladen.

Herr Prof. Dr. L. Fricke informierte uns in seiner Eingangsrede auch über den derzeitigen Stand der Transplantationen.

Mit den Organspenden geht es abwärts - leider. Es ist allerdings positiv ist zu vermerken, dass die Lebendspenden zugenommen haben, und zwar vom Jahr 1990 - damals 3 %, auf heute 20 %. Das heißt, jede 5. Transplantation ist eine Lebendspende.

Leider wird die Warteliste immer länger, und es sind bis zu 9 Jahren Wartezeit einzuplanen. Somit steht Deutschland in Europa an letzter Stelle. Noch etwas zur Statistik: Im Norden Deutschlands steht bei Transplantationen Hannover an 1. Stelle. Dann folgt schon Lübeck an 2. und Hamburg an 3. Stelle. In diesem Jahr (2005) sind in Lübeck bereits 73 Transplantationen vorgenommen worden, davon 10 Lebendspenden. Insgesamt wurden in Lübeck bis jetzt 1.350 Nieren transplantiert.

Noch anzumerken ist, dass sich das Spender- und Empfängeralter immer mehr nach oben entwickelt. Von bisher 48 Jahren im Durchschnitt, ist es jetzt auf 53 Jahre geklettert. Die Abstoßungsreaktionen liegen derzeit bei ca. 21 % (d. h. ca. jeder 4. oder 5. Patient.)

Dann kam der erste "Überraschungsgast" - Herr Prof. Dr. Hoyer! Er wurde mit begeistertem Klatschen empfangen. Prof. Dr. Fricke und Prof. Dr. Hoyer begrüßten sich mit einer herzlichen Umarmung, und für viele Patienten, die von Prof. Dr. Hoyer transplantiert wurden, war es ein freudiges Wiedersehen. Nach kurzer Unterhaltung wurden eine Dame und ein Herr vorgestellt, die beide seit 25 Jahren mit einer Niere leben - und die Nieren arbeiten immer noch!! Dies gibt doch allen große Hoffnung.

Herr Pristorios, ein Lebendempfänger, erzählte kurz seinen Weg zur Niere, die er von seiner Frau gespendet bekam. Als 500. Nierenempfängerin wurde Frau Friedel vorgestellt. Eine Dame, die herzlich von Herrn Prof. Dr. Hoyer umarmt wurde. Hier wurde so richtig sichtbar, dass sich das Bild Patient / Arzt schon sehr gewandelt hat. Es gab keine Barrieren. Hier traf nur ein Mensch einen anderen - nicht mehr und nicht weniger!!

Der 1.000 Transplantierte konnte leider nicht vorgestellt werden, da er durch Wetter bedingten Umstände nicht kommen konnte.

Dann ging es weiter mit sportlichen Leistungen. Mit viel Elan hat eine Dame für den Transplantierten-Sport geworben. Sie selbst wurde in diesem Jahr bei den Weltspielen in der Disziplin "Tennis-Doppel" mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Gleichzeitig holte sie eine Bronze-Medaille im Tischtennis-Einzel. Als nächstes erzählte ein Lebendspender (er hat seiner Frau eine Niere gespendet) von seinem sportlichen Einsatz. Er hatte vor der Spende nie Sport betrieben. Dann begann er mit Laufen und meldete sich schließlich beim Hamburg-Marathon an. 23.000 Menschen starteten - als 11.000. lief er durchs Ziel. Ein weiterer Transplantierter fing bereits nach 6 Wochen wieder an leicht zu trainieren. Er hat sich dem asiatischen Kampfsport Taekwon-Do verschrieben und bringt es schon wieder auf beachtliche Leistungen, welche er mit seinem "Kampf"-Gefährten zum Besten gab. Das sind schon tolle Leistungen, und diese wurden auch von den Anwesenden mit viel Beifall gewürdigt.

Christa Marsig

2007