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4 Berichte rund um die allgemeine Gesundheit

Autor: Jens Tamcke

Bildung - Ernährung - Alter - Sport

Gesundheit und Bildung

Dieses Thema wurde, unter dem Blickwinkel der Prävention, von der Vorsitzenden der GAL Bürgerschaftsfraktion, Bildungspolitikerin und ehemaligen Lehrerin, Frau Christa Goetsch, angesprochen, nachdem sie die versammelten Gäste und Freunde begrüßt hatte.

Frau Goetsch erinnerte nochmals daran, dass heutzutage Kinder und Jugendliche sehr häufig ohne Frühstück in den Kindergarten oder die Schule kommen, dass viele Kinder zu Hause keine warme Mahlzeit erhalten und dass langes Fernsehen an der Tagesordnung sei. Insofern sei es nicht verwunderlich, dass Kinder aus sogenannten bildungsfernen Bevölkerungskreisen häufiger krank sind und Ernähungsstörungen aufweisen als Kinder aus den „besseren“ Vierteln der Stadt. Hier sieht die GAL einen immensen Aufklärungs- und Handlungsbedarf z. B. durch intensive Ernährungsaufklärung und verbesserte Infrastrukturen in Schulen und Kindergärten, aber auch und vor allem in den entsprechenden Wohngebieten. Kinder müssten frühzeitig und mit Spaß für gesunde Ernährung begeistert werden und es müsse das Gefühl vermittelt werden, dass es sich lohnt, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Indem früher etwas auf diesem Gebiet getan werde, fördere man die Gesundheit der späteren Erwachsenen und tue so auch etwas, um Organversagen und Transplantationen zu verhindern.

Frau Goetsch hält es für erforderlich, dass auf diese Problematik das Augenmerk gelegt wird und die Sache ganzheitlich angegangen wird. Am besten, so ihre Schlussfolgerung, könne dies in einer Ganztagsschule umgesetzt werden. Dass bessere Bildung und mehr Wissen das Bewusstsein u. a. für den Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit schärft und damit wirksame Prävention bedeutet, ist, meine ich, nicht zu bestreiten. Dass bessere Ernährung der Gesundheit zugute kommt und damit das Erkrankungsrisiko und die Gesundheitskosten gesenkt und Organversagen verhindert werden, war dem Festvortrag von Herrn Dr. Wagner zu entnehmen, der nachfolgend in seinen wichtigsten Aussagen wiedergegeben wird.

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Gesundheit und Ernährung

Herr Dr. Karl Wagner, Chefarzt der IV. Medizinischen Abteilung/Nephrologie im Krankenhaus Barmbek, sprach zum Thema „Wie beuge ich Organversagen vor?“. Gleich zu Beginn seines Referats betonte er, dass es eine gute Idee sei, etwas zum Thema Prävention zu sagen und dass dies gut zum Thema Organspende passe. Wer allerdings gehofft hatte, mit präventiven Maßnahmen Organversagen und Transplantationen ganz zu vermeiden, den musste er enttäuschen. Denn trotz aller präventiven Maßnahmen werden Organspenden auch in Zukunft erforderlich sein, weil wir entwicklungsgeschichtlich nicht auf eine Lebensdauer, wie wir sie jetzt haben, ausgelegt sind. Das lange Leben macht die Organe empfindlich für Krankheiten und sie kommen somit häufiger als der übrige Körper an das Ende ihrer Nutzungsdauer. Etwa ab dem 38. Lebensjahr büßen unsere Organe jährlich 1% ihrer Funktion ein. Hatte jemand z. B. in jungen Jahren eine vorübergehende Nierenerkrankung mit Funktionseinschränkung, dann komme es häufig schon zum Nierenversagen, obwohl man noch in der Mitte des Lebens stehe.

Als weiteren Faktor sprach der Referent unsere Gene an, die, aus welchen Gründen auch immer, fehlerhaft sein können. Dafür können wir nichts und häufig ist es so, dass wir unser Erbmaterial bereits weitergegeben haben, wenn sich herausstellt, wie beispielsweise bei Zystennieren, dass wir damit eine Krankheit vererbt haben. Auch schicksalhafte Erkrankungen wie virusbedingte Herzmuskelentzündungen oder Diabetes Typ 1 haben immer wieder Organversagen zur Folge, so dass Herr Dr. Wagner glaubt, dass einem Organversagen nur sehr bedingt vorgebeugt werden kann. Deshalb werde es die Notwendigkeit zur Organtransplantationen immer geben, der Bedarf werde zunehmen und deshalb seien alle Anstrengungen erforderlich, die Organspende positiv in der Bevölkerung zu verankern.

Dann kam Herr Dr. Wagner auf das Thema Ernährung zu sprechen und er kehrte zurück auf einen Punkt, den er zu Beginn seines Vortrags schon ansprach: Unser Körper konnte entwicklungsgeschichtlich unserem jetzigen Leben noch gar nicht folgen. Er befindet sich quasi noch auf dem Stand der Beerensammler und Bärenjäger, tatsächlich haben wir in rasanter Geschwindigkeit über die Feld- und Gartenernährung und die Supermarkternährung ins Schlaraffenland mit den heute verfügbaren halbfertigen Produkten gefunden.

Der Referent nannte als Beispiel die Kohlehydrate. Menschen, der ihre Nahrung voll ausschöpfen, haben einen Überlebensvorteil in Zeiten knapper Ernährung, in Zeiten der Luxusernährung wendet sich dieser Vorteil in einen Nachteil um. Sie nehmen an Gewicht zu, beanspruchen ihr Insulinproduktionssystem und entwickeln eine Zuckererkrankung – Typ 2 - Diabetes. Die Zahl von derzeit 8 Millionen Diabetikern wird sich in den nächsten Jahren erheblich erhöhen und alle diese Menschen werden durch die diabetesspezifischen Komplikationen wie Gefäßerkrankungen, Augenerkrankungen und Nierenerkrankungen bedroht sein. Dabei, so Herr Dr. Wagner, könne das Risiko der Entwicklung einer Typ 2-Diabetes um bis zu 70% verringert werden, und zwar nicht durch Pillen (geht zwar auch, aber ist zu bequem), sondern durch Sport bzw. Bewegung allgemein. Bereits der dreimalige Verbrauch von 350 cal pro Woche könne das Diabetes-Erkrankungsrisiko deutlich mindern.

Sein nächstes Beispiel war Eiweiß. Wir sind angelegt auf eine Eiweißzufuhr von 60 Gramm pro Tag (Beerensammler und Bärenfänger) bei einem Körpergewicht von 75 kg. Tatsächlich nehmen wir im Durchschnitt 90-100 Gramm zu uns. Normalerweise sind die Nieren in der Lage, mit einer Funktionsreserve diese zusätzliche Last zu bewältigen. Sind die Nieren aber bereits geschädigt, besteht diese Reserveleistung nicht mehr und das leckere Steak ist der erste Schritt zur Nierenverhärtung. Wie kann man dagegen angehen? Herr Dr. Wagner verlangte nun nicht, mit der Briefwaage ans Buffet zu gehen, aber mit einem kleineren Steak als bisher, einer dünneren Scheibe Käse oder einer dünneren Quarkschicht könne viel bewirkt werden. Mit anderen Worten: Reduzierung der Eiweißzufuhr nicht im Sinne einer Diät, sondern als Normalisierung der Ernährungsgewohnheiten.

Dann waren die Fette dran. Hier sprach sich Herr Dr. Wagner sehr entschieden für die Senkung der Cholesterinwerte durch Diät und ggf. die Einnahme von Fettsenkern aus, denn dadurch könnten Gefäßerkrankungen und Nierenerkrankungen verlangsamt werden. Ich kann Ihnen an dieser Stelle keine konkreten Werte nennen, da diese in dem Vortrag auch nicht genannt wurden. Der Referent machte aber deutlich, dass es höchstens die von der entsprechenden Fachgesellschaft genannten Werte sein dürfen. Er teilte überhaupt nicht die Auffassung mancher Medien, diese seien nur deswegen so niedrig angesetzt, um einen Großteil der Bevölkerung zu Kranken zu erklären und der Pharmaindustrie zusätzliches Einkommen zu verschaffen.

Nun zum Salz. Auch hiervon isst der Mensch viel zu viel. Wer häufig Fertig- oder Halbfertigprodukte konsumiert, kommt dabei auf eine Salzzufuhr von bis zu 15 Gramm am Tag. Das ist etwa dreimal mehr, als das, wofür wir Beerensammler ausgelegt sind. Die Folge dieses hohen Salzkonsum ist, wie die Weltgesundheitsorganisation festgestellt hat, die schlimmste Volkskrankheit: Bluthochdruck. Dagegen lässt sich etwas tun. In Irland beispielsweise habe man mit der Lebensmittelindustrie vereinbart, den Salzgehalt in industriell gefertigten Lebensmitteln zu senken. Dies, so nehme ich an, fordert Herr Dr. Wagner auch für Deutschland.

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Gesundheit und Alter

Zu diesem Programmpunkt oder besser zum Thema „Transplantation und Alter“ war Frau Dr. Helga Stödter gebeten worden, einige Worte zu sagen. Unsere Leser kennen sie schon durch unseren Bericht in der IkN-Info Nr. 135 vom Juni 2005. Frau Dr. Stödter wurde mit 81, fast 82 Jahren transplantiert. Hierüber hatten wir berichtet. Sie benutzte dies als Aufhänger, nicht nur um zu berichten, wie gut es ihr seitdem geht, sondern vor allem, um einerseits zu betonen, dass ihr diese Transplantation im hohen Alter die Möglichkeit gibt bzw. erhält, sich für die von ihr gegründete Helene Wilken-Stiftung ehrenamtlich zu engagieren und um zum anderen auf das Programm „Old for Old“ hinzuweisen (s. dazu auch unsere kleine Notiz in der IkN-Info Nr. 138, Seite 16). Von diesem Programm hatte sie selbst profitiert, indem sie die Niere einer 81jährigen Organspenderin erhielt. Dadurch habe sie auch kein schlechtes Gewissen, vielleicht einem jüngeren Menschen auf der Warteliste das gespendete Organ „weg-genommen“ zu haben, wie es bei einer jüngeren Spenderin möglicherweise der Fall gewesen wäre. In das „Old for Old-Programm“ werden automatisch Personen auf der Warteliste aufgenommen, sobald sie das 65. Lebensjahr erreicht haben. Sie bekommen dann nur Organe von SpenderInnen, die ebenfalls mindestens 65 Jahre alt sind (das Transplantationszentrum kann aber etwas anderes bestimmen). Insofern appellierte Frau Dr. Stödter an die Besitzerinnen und Besitzer von Organspendeausweisen, diese mit zunehmendem Alter nicht wegzuwerfen und an die Spendenwilligen, auch im höheren Alter noch solche Ausweise auszufüllen. Auch an die Ärzte ging die Bitte, mehr auf die Organspendemöglichkeiten auch im Rentenalter hinzuweisen.

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Gesundheit und Sport

Bei diesem Thema kommt man an dem in jeder Hinsicht aktiven Sportler Peter Stoetzer, unserem Vorsitzenden, nicht vorbei. Deshalb war es nur folgerichtig, dass gerade er auf die sehr positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung auf die Gesundheit auch von kranken Menschen hinwies. Zu diesem Zweck stelle er TeilnehmerInnen der am Wochenende zuvor stattgefundenen Deutschen Meisterschaften der Organtransplantierten und Dialysepatienten vor. Sie alle kommen aus Hamburg und Umgebung und waren mit mindestens einer Medaille, die sie dem staunenden Publikum präsentierten, erfolgreich. Besonders erwähnt wurde eine Dialysepatientin, die mit drei Goldmedaillen sehr erfolgreich war und einigen transplantierten Männer davongeschwommen ist.

Aus meiner Sicht ist zusammenfassend festzustellen, dass mit einer gesunden, ausgewogenen und im Zweifel eher bescheidenen Ernährung sowie mit regelmäßiger und angemessener Bewegung sehr viel für das geistige und körperliche Wohlbefinden getan, die Lebensqualität deutlich verbessert, die Gesundheit gefördert und somit Organschädigungen und –versagen vorgebeugt werden kann.

Das anschließende, von der IkN bereitgestellte Buffet folgte den zuvor geäußerten Worten: Es gab leckere Obstspieße, die auch für ein wenig Bewegung der Halswirbelsäule sorgten, denn es war gar nicht immer so einfach, sie zu verspeisen. Sie förderten aber offenbar die Gesprächsbereitschaft, denn man sah noch lange viele kleine Grüppchen stehen in Gesprächen vertieft.

Wir danken der Initiatorin, Frau Katja Husen für die gute Idee und Frau Ulrike Jaenicke, der Referentin für Gesundheitspolitik in der GAL-Fraktion, für die gute Organisation. Und wir hoffen, dass es im nächsten Jahr ein ähnliches Ereignis zum Tag der Organspende geben wird

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