Punktieren
Peter Stoetzer
(Leserbrief an die Zeitschrift "der dialysepatient"
Ausgabe 8/2004, Rubrik Medizin, Punktieren)
Der Shunt (Fistel) ist die Lebensader, an der Hämodialysepatienten für die nächsten Jahre abhängig hängen, und die Punktion ist der Zugang zum Dialysegerät.
Die Frage nach Anlage eines Shunts wird nur selten an eine Interessengemeinschaft gestellt. Das liegt daran, dass neue Betroffene (Prädialytiker) zu spät an eine Interessengemeinschaft "geraten" Leider ist es dann meist zu spät und der Shunt schon gelegt. Öfters ist die Anlage auch nicht gelungen und/oder wurde bereits nachoperiert. Auch scheinen mir heute noch viele Ärzte nicht unbedingt auf Möglichkeiten des Zugangs zu Informationsquellen hinzuweisen.
Die wichtigste Frage zum Artikel jedoch scheint mir ungeklärt: Welche Punktion soll ich nun wählen: Knopfloch, Strickleiter oder Areal? Der Artikel im Dialysepatient liefert leider keine Antwort und nur wenige Hinweise.
Ich vermisse die Aufforderung an Betroffene, eine Punktion selbst zu versuchen. Dazu braucht man natürlich ein gutes Auge, Hygiene-Verantwortung, eine sichere Hand, Überwindung des Betroffenen und - sehr wichtig - auch die Geduld des ärztlichen Personals. Für die von mir favorisierte und über 4 Jahre praktizierte Knopflochpunktion will ich ein paar Kriterien aus meiner Erfahrung liefern:
- Wenn sie immer von der selben Person durchgeführt wird, ist sie die am wenigsten schmerzhaft.
- Sie ruft die geringsten "optischen" Veränderungen am Dialysearm hervor.
- Sie "verbraucht" die geringste Adernlänge, was der Sicherheit für eine lange Dialysezeit dient.
- Sie verschließt sich relativ schnell wieder nach der Dialyse.
Anders gesagt, bei folgenden Kriterien sollte eine Knopflochpunktion geprüft werden:
- Immer die/derselbe Punkteur, also der Patient selbst oder der (ggf. auch begleitende) Partner.
- Gute Augen, ruhige Hand.
- Hygiene-Verantwortung.
- Anlage der Fistel (wichtig) möglichst weit unten am Unterarm.
- Anlage der Fistel am Nicht-dominierenden Arm.
- Punktieren mit der dominanten Hand.
Und last but not least sollte ein Shunt (und das gilt natürlich generell) von einem erfahrenen Shunt-Operateur (mit Erfahrung von über 100 Shuntoperationen) angelegt sein, damit es ein guter Shunt wird. Es hilft später, wenn von dem Shunt und den Aderverläufen nach der Operation eine Skizze erstellt wird.