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Diagnose: Nierenversagen!
Was kann ich tun?

Peter Stoetzer

Eine Informationshilfe der  Nieren Selbsthilfe Hamburg e.V.

"Das geht mir an die Nieren", sagt der Volksmund, wenn eine Belastung zu groß wird. Tatsächlich sind die Nieren ein wahres Wunderwerk, eine "phantastische Chemiefabrik" und für viele körperliche Funktionen zuständig: für den Wasserhaushalt, die Ausscheidung von Abbauprodukten der Körperzellen, für das Hormon, das die Blutbildung ermöglicht, für andere Hormone und die richtige Konzentration vieler chemischer Substanzen, die wir täglich zu uns nehmen bzw. auch wieder ausscheiden.

Die Nieren dürfen nicht krank werden. Ohne Nieren können wir nicht leben. Oder doch?

Was ist terminales Nierenversagen?

Terminales (endgültiges) Nierenversagen liegt dann vor, wenn die Nieren den Körper nicht mehr entgiften, diese Funktion endgültig verloren ist und Nierenersatzverfahren notwendig werden.

Praedialytiker haben eingeschränkte, (sich verschlechternde) Nierenfunktion, sind aber noch nicht dialysepflichtig.

Wie erkenne ich Nierenversagen?

Es gibt mehrere Anzeichen eines beginnenden Nierenversagens:

 

  • Erhöhter Blutdruck,
  • ständige Müdigkeit,
  • schnelle Erschöpfung,
  • Blut im Urin,
  • Wassereinlagerungen z.B. in den Beinen.

Der Arzt erhält mit dem Kreatinin-Wert schnell einen Anhaltspunkt über die Qualität der Nierenfunktion. Der Normalwert liegt bei 0,7 bis 1,2 mg/dl. Je höher das Kreatinin ist, desto weniger wird der Körper entgiftet; ab Werten von 7 mg/dl wird es allgemein kritisch.

Erste Maßnahmen

Suchen Sie sofort den Hausarzt auf. Ziehen einen Internisten oder Nephrologen zu Rate.

Wie kann ich einen beginnenden Nierenausfall hinauszögern?

Kontrollieren Sie den Blutdruck und halten Sie ihn möglichst unter 120/75. Vermeiden Sie Erkältungen, kontrollieren den Urin auf Zucker und leben Sie kochsalzarm. Trinken Sie viel (2-3 Liter pro Tag). Eine Verminderung der Eiweiß-Zufuhr kann hilfreich sein. Kontrollieren Sie einen eventuellen Diabetes streng und konsequent. Rauchen Sie nicht.

Behandeln Sie Blutarmut (bei Verträglichkeit mit EPO). Sprechen Sie mit Spezialisten.

Totales Nierenversagen

Totales Nierenversagen, d.h. wenn die Nierenfunktion unter 5 % der normalen Funktion fällt, bedeutete noch vor 40 Jahren den Tod, heute nicht mehr !

Drei Möglichkeiten der Behandlung ersetzen und garantieren ein Weiterleben:

  1. Die Hämodialyse, als Hämo-Heimdialse, LC-Dialyse, bzw. Zentrumsdialyse oder Krankenhausdialyse.
  2. Die Peritonealdialyse als diskontinuierliche oder kontinuierliche Peritonealdialyse
  3. Die Nierentransplantation.

Alle Verfahren helfen, die ausgefallene Funktion der Niere zu ersetzen.

Die Hämodialyse (HD)

Die Hämodialyse, Blutreinigung mittels einer "künstlichen Niere", ist das gebräuchlichste Verfahren der Nierenersatztherapie. Dabei wird mittels eines operativ vorbereiteten Zugangs zu dem Blutgefäßsystem (Fistel = Shunt) das Blut außerhalb des Körpers in einem Filter "gereinigt", das überschüssige Wasser aus dem Körper entfernt und das Blut wieder zurück gepumpt. Die Fistel bzw. der Shunt ist ein durch Operation hergestellter Kurzschluss einer Vene und einer Arterie. Dieser Kurzschluß wird mit örtlicher Betäubung durch das Verbinden der Arterie (hoher Blutdruck, kommt vom Herzen) und der mit weniger Druck belasteten Vene (führt zum Herzen) hergestellt.

Der hohe Druck der Arterie vergrößert nach wenigen Wochen die Vene. In der dichter unter der Haut liegenden Vene entsteht ein Blutstrom, der groß genug ist, um 200 bis 300 ml (oder 0,2 - 0,3 Liter) pro Minute über ein Schlauchsystem durch den Filter (Kapillare) leiten können.

Die Fistel kann meist im Unterarm (bei Rechtshändern links) angelegt werden. Sie sollte möglich nahe zum Handgelenk sein, damit bei schlechter Funktion oberhalb der ersten Stelle eine neue gelegt werden kann. Auch andere Stellen sind für die Fistel möglich.

Wählen Sie einen erfahrenen Operateur aus. Bei einer guten Fistel ist der Blutfluss am schwirrenden Geräusch zu hören und zu fühlen. Die funktionierende Fistel nicht drücken oder belasten. Nicht auf dem Arm mit der Fistel schlafen. Keine Blutdruckmessung am Fistelarm.

Die Hämodialyse wird im allgemeinen 3 mal die Woche meist 4 - 5 Stunden lang durchgeführt. Lange Dialysezeiten führen zu besserem Allgemeinbefinden (und längerem Überleben). Neu und mit guten Ergebnissen ist eine etwa 8 stündige Hämodialyse (3 mal wöchentlich) nachts im Zentrum oder auch zu Hause. Wählen Sie für die Durchführung der Dialyse ein verkehrsgünstig gelegenes Dialysezentrum oder Krankenhaus (Zentrumsdialyse). Geschulte Patienten können die Vorbereitung und das Anschließen weitgehendst selbsständig durchführen. Dadurch sind diese (etwas) unabhängiger von genau einzuhaltenden Zeiten und haben eine im allgemeinen nur ihnen zugeordnete Maschine ( LC-Limited Care Dialyse).

Wenn es die familiären und räumlichen Umstände zulassen, kann die Dialyse auch zu Hause mit dem Partner durchgeführt werden (Heimdialyse). Die notwendigen Umbauten werden vom Kostenträger übernommen. Dazu wird eine eigene Maschine gestellt. Dies erlaubt größtmögliche Freiheit, da der Dialysezeitpunkt frei gewählt werden kann (auch Einsparungen für den Kostenträger).

Merkmale der Hämodialyse:

  • Im Normalfall drei Dialysen pro Woche (mit An- und Abbinden ca. 5-7 Stunden). Zwischen den Dialysen behandlungsfreie Zeit.
  • Völliges Verschließen der Haut nach der Dialyse, also Baden und Duschen ist unbeeinträchtigt.
  • Strenge Trinkmengenbegrenzung, strenge kalium- und phosphatarme Diät.
  • Fistel muss sorgsam behandelt werden.
  • Bei Reisen sind Gastdialysen in fast allen Ländern (Kostenerstattung vorher klären) möglich.
  • Je länger dialysiert wird und je weniger Wasser entzogen werden muss, desto besser für die Gesundheit.
  • Wählen Sie das Dialysezentrum nach: Qualität, Erfahrung und Freundlichkeit des Personals, Entfernung, Erreichbarkeit etc. aus.
  • Hämodialyse kann jahrzehntelang durchgeführt werden.

Die Peritonealdialyse (PD)

Der Bauchraum unterhalb des Zwerchfells wird durch eine einoperierte Kanüle (Katheter) zugänglich gemacht. In diesem Raum wird über den Katheder eine Zuckerlösung eingelassen. Durch das innen liegende Peritoneum (Bauchfell) werden die Schadstoffe und das Zuviel an Wasser in den Bauchraum abgegeben. Bei der kontinuierlichen, ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) wird tagsüber alle 6 Stunden die im Bauchraum befindliche Lösung über den Katheter in einen Beutel ab und eine Austauschflüssigkeit eingelassen. Bei der chronisch intermittierenden Peritonealdialyse wird der Patient nachts an eine Maschine angeschlossen, die über einen Zeitraum von etwa 10 Stunden die Flüssigkeit austauscht (meist während des Schlafs).

Merkmale der Peritonealdialyse:

  • Gute Entgiftung. Keine Heparinzufuhr notwendig.
  • Bei Kindern wird das Wachstum weniger eingeschränkt.
  • Keine Fistel notwendig. Im Regelfall für Personen bis 70 kg Körpergewicht geeignet.
  • Hygiene sehr wichtig zur Vermeidung von Infektionen.
  • Bei Reisen wird das Dialyse-Material vom Kostenträger vorausgeschickt.
  • Geringere Kosten, unabhängig vom Wohnort.
  • Einschränkung bei Wassersport/ Baden durch Katheter.
  • Die Effektivität der Peritonealdialyse kann nachlassen, daher nur selten über Jahrzehnte durchführbar.

Die renale Anämie

Patienten mit chronischem Nierenversagen entwickeln bereits in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung eine renale Anämie. Was versteht man darunter?

Der gesunde Organismus produziert in der Niere das Hormon Erythropoetin (EPO). Es bewirkt im Knochenmark die Bildung roter Blutkörperchen. Durch die eingeschränkte Nierenfunktion wird zu wenig EPO gebildet und somit entstehen zu wenig rote Blutzellen für die Sauerstoffversorgung des Organismus. Die Folge ist ein anämischer Zustand des Organismus mit den typischen Symptomen wie Müdigkeit und geringe körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Medizinisch nennt man dies eine "Anämie", also eine Blutarmut, die durch funktionsuntüchtige Nieren hervorgerufen wird.

Mit einem neuartigen Wirkstoff, einem gentechnisch hergestellten Blutwachstumsfaktor (Darbepoetin alfa), lässt sich die Anämie heute gut behandeln. Eine Injektion pro Woche oder einmal alle zwei Wochen ist dafür ausreichend.

Die Transplantation

Das für ein möglichst normales Leben beste Verfahren ist eine geglückte Nierentransplantation. Leider kann nicht jeder Nierenkranke transplantiert werden.

In Deutschland ist nur die Transplantation von

  • Organen Verstorbener (hirntoter Patienten, Organspende unmittelbar nach dem Individualtot, früher Leichenspende; der Spender sollte zu Lebzeiten der Organspende zugestimmt haben (z.B. im Organspendeausweis) oder
  • die Organspende von direkten Angehörigen (Lebendspende) zulässig. Dazu zählen direkte Verwandte (Eltern, Geschwister) und Ehepartner oder ähnlich verbundene Partner.

Bei einer Transplantation wird eine Niere von einem gehirntoten oder lebenden Spender in den vorderen Bauchraum eingepflanzt und im Körper an eine Beckenvene angeschlossen. Eine Transplantation kann leider auch misslingen und die Niere funktioniert nicht immer lebenslang.

Sie werden vom behandelnden Dialyse-Zentrum auf eine Warteliste gesetzt. Alle 3 Monate wird Ihr Blut dem Transplant Center in Leiden/NL für den Vergleich mit einem möglichen Spender eingeschickt. Frühe Meldung ist sinnvoll, da eine Reihe von Untersuchungen notwendig sind. Heute zählt für die Wartezeit der Dialysebeginn. Meist lange Wartezeiten (z.Zt. im Schnitt 5 - 8 Jahre). Bei Lebendspenden verbleibt (geringes) Risiko für den Spender. Eine Unterdrückung der Abstoßung des transplantierten Organs ist notwendig (Immunsuppression). Diese kann bedingt gesundheitliche Schädigungen bewirken. Strikte Einhaltung der Medikamenten-einnahme ist über die gesamte Zeit der Transplantat-Niere erforderlich! Im besten Falle Wiedererlangung fast vollständiger früherer Leistungsfähigkeit. Dialysen entfallen.

Merkmale der Transplantation:

  • Zur Transplantation müssen die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben sein.
  • Guter Allgemeinzustand, um die Operation zu überstehen.
  • Keine klinisch manifeste Infektion.
  • Ein passendes (kompatibles) Organ muss zur Verfügung stehen.
  • Immunsuppression ist notwendig.
  • Operationsrisiko

Heute liegt nach 5 Jahren die Funktionsrate bei 75% der transplantierten Nieren und nach 10 Jahren noch bei 50%. Lebendspenden haben im allgemeinen eine höhere Funktionsrate.

Soziale Hilfen

Der Kündigungsschutz gilt in Deutschland ab einem Grad der Behinderung von 50 %. Es ist sinnvoll einen Antrag beim Versorgungsamt mit ärztlichem Attest schon vor dem endgültigen Nierenversagen zu stellen. Das Antragsdatum ist entscheidend. Es gibt besondere Hilfen im Arbeitsleben, Zusatzurlaub, in großen Firmen Kündigungschutz, steuerliche Vorteile und den Schwerbehindertenausweis, der zu weiteren Vorteilen berechtigt (z.B. Eintrittsermäßigungen, geringere Transportkosten etc.) Treten Sie einer Interessengemeinschaft bei. Sie können hier viele nützliche Tips im Umgang mit der Erkrankung und zur Durchsetzung Ihrer Rechte erhalten.

Versicherungsschutz

Die Dialyse kostet zwischen 25.000 bis zu 60.000 Euro im Jahr. In Deutschland wird die Dialysebehandlung von den Krankenkassen bezahlt (Risiko: Wechsel der Krankenkasse). Kostenübernahme bei Reisen im Euroland erfolgt meistens, sollte aber sicherheitshalber vorher mit der Kasse geprüft werden. Taxikosten zur Behandlungsanfahrt werden von Krankenkassen nicht immer bezahlt. Privatkassen erstatten keine Fahrtkosten.

Adressen für weitere Informationen
für Nierenkranke und Transplantierte:

Auf der Seite Weblinks finden Sie sehr viele Links zu anderen Web-Sites.

 


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