Sie sind hier: Berichte > Veranstaltungen > Sport
  
   


  • Information: Kostenloses Infotelefon: 040 - 22 80 26 50
  • Aktivitäten: Monatlich einmal findet ein Treffen statt!
  • Aktivitäten: Jährlicher einmal ein Busausflug!
  • Aktivitäten: Jährlich einmal veranstalten wir eine Jahresfeier.
  • Aktivitäten: Wir werben für Organspenden.
  • News Test
  • Aktivitäten: Messestand auf "Du und Deine Welt"
  • Aktivitäten: Patientenseminar
  • Information: Patientenverfügungen - Neue Rechtssicherheit
  • Aktivitäten: Informationsweitergabe an Mitglieder und "Neu-Patienten"


Berichte zu sportlichen Veranstaltungen

2004 US-Transplantiertenspiele in der U of M
Ein Teilnehmer berichtet

Die diesjährigen Transplantiertenspiele in Minneapolis, Minnesota/USA waren echte amerikanische Spiele. Sehr emotional, ganz gefühlsbetont und ohne irgendwelche Verspannungen.

Mit einem Kanadier und 2 Deutschen bei insgesamt 2.000 Athleten war das internationale Team nur ein Minibeitrag. Der Veranstalter, die US Kidney Foundation, hatte weitere 1.500 Begleiter von Aktiven und 3.000 Teilnehmer aus der Gruppe der Donor - Familien zu Gast. Unter "donors" werden sowohl Lebendspender als auch Familien, die einer Spende nach dem Tode eines Familienmitgliedes zugestimmt haben, verstanden.

Der besondere Anlass dieser Spiele war der 50. Jahrestag der ersten gelungenen Trans-plantation bei eineiigen Zwillingen. Der damals leitende Chirurg, Dr. Joseph E. Murray, nunmehr 92 Jahre jung, hielt eine eindrucksvolle Rede und wurde dabei besonders geehrt (standing ovations). Im Jahre 1990 erhielt Dr. Murray für seine Forschungen, die der Transplantation von Organen einen ganz besonderen Schub gaben, den Nobelpreis in Medizin. Wie glücklich er ist, erleben zu dürfen, mit welchem Erfolg seine Pionierarbeit vor 50 Jahren fortgesetzt worden ist, das war in seiner Rede zu spüren. Denn alle Athleten waren zusammengekommen, um zu zeigen, wie gut es ihnen nach einer Organtransplantation geht, und dass sie durchaus in der Lage zu sportlichen Höchstleistungen sind.

Wie bereits bei den vorangegangenen amerikanischen Transplantierten Spielen 2000 und 2002 war die DSVO eingeladen, sich mit einem Team zu beteiligen. Josef Geiser aus Gangolt-Niederbusch bei Aachen und Peter Stoetzer aus Hamburg sind der Einladung gefolgt und konnten an die guten Team-Ergebnisse der früheren Spiele anknüpfen.

Nach zweimal Orlando in Florida, wo die Spiele in "Disney‘s Wide World of Sports", einem den Disney Worlds angegliederten, sehr professionellen Sportzentrum stattfanden, hatte die National Kidney Foundation (NKF) diesmal die Spiele wieder in die Universitätsstadt Minneapolis, in Minnesota, also ziemlich in die nördliche Mitte der USA verlegt. Minneapolis ist eine aufstrebende, sehr dynamische Stadt, die sich durch ihre Sauberkeit und auch sichtbar gutgehenden Wirtschaftslage sehr angenehm darstellt. Eine Stadt ganz ohne Grafittis, keine Abfälle auf Straßen, die gut ausgebaut und in Schuss gehalten sind mit zu unserem großen Erstaunen fast nur neuen Autos, kaum älter als 4 Jahre. Eine ganz aktive, geordnete Studentenstadt. Den Studenten steht ein Computerzentrum mit weit über 100 allerneuesten PC’s mit großen Flachbildschirmen zur freien Verfügung. Alle Zimmer in der weit verzweigten Studentenstadt, eben der U of M, der Universität von Minneapolis sind mit festen Netzwerksteckern und drahtlosen Verbindungen zum Gratis Internet verbunden. Auch für uns Gäste war es problemlos möglich, ins Internet zu gehen und beliebig lange gratis zu surfen oder zu mailen. Und wenn es doch einmal mit dem ungewohnten Internetzugang Probleme gab, dann halfen Studenten, die im Computer "Lab" 24 Stunden Dienst schoben, bereitwillig, bis auch die letzte Einstellung klappte. Die meisten Studenten in Amerika sind auf dem Campus in gemeinsamen Unterkünften untergebracht. Da Ferienzeit war, standen diese (neben guten Hotels) den meisten der Teilnehmer zu günstigen Pauschalpreisen zur Verfügung. Allerdings ist in den Unterkünften der Komfort ungewohnt niedrig, Waschmöglichkeit, Toilette sind nur über den Flur zu erreichen und entsprechen dem Standard unserer Schulsporthallen. Die Athletiksportstätte (Track and Field) hatte auch nicht den Komfort, den ein Disney Center, wie das in Florida, bietet. Die Zeitnahme- und sonstigen technischen Einrichtungen waren eher einfach, aber die Organisation dem Andrang gewachsen. Trotz eines plötzlich einsetzenden Regens wurden die Spiele mit etwas verzögerter Improvisation gut zu Ende gebracht. Dafür war soweit wir bei den Wettbewerben mitmachten alles zu Fuß zu erreichen. Die Organisation der Schwimmwettbewerbe war sehr professionell und schnell durchgezogen.

Es zeigte sich an diesen Spielen wieder, dass es in Amerika ein großes Gefälle zwischen privat und professionell, zwischen Arm und Reich, zwischen gebildet und weniger chancenreich gibt. In Minneapolis liegt der Schwerpunkt der Investitionen für die Studenten mehr im Bereich der Computer Ausstattung - ein sehr großer Sponsor hat da viel bewirkt - als in der sportlichen Ausbildung, wie es bei Disney in Florida ist. Direkt an das Computer Lab der Minneapolis Universität (Coffman memorial building) grenzt das ultra-moderne, sehr großzügig ausgestattete Weisman Art Museum mit einer zwar etwas unzusammenhängenden, aber ganz hochkarätigen Sammlung vor allem Moderner Kunst.

Die U of M betreut etwa 50.000 Studenten. Ein Semester kostet 9.154,-- USD/Semester also etwa 17.600,-- EUR pro Jahr, einschließlich der Unterbringung während der Semester (in den Ferien erfolgt keine Unterbringung).

Uns ist aufgefallen, dass das Leistungsniveau der US-Transplantierten in Altersbereich über 60 Jahre bei den Athleten erheblich unter denen der Europäer (z.B. bei der EM in Ljubljana), das Durchschnittesgewicht dafür aber sichtbar darüber liegt - den "Pommes, Colas und Burgern" sei es zugeschrieben.

Schneller und größer als bei uns ist die Kontaktfreudigkeit, die wir vor Ort erleben durften. Schon am ersten Abend wurden wir privat in eine der Traumwohnungen in Form eines Lofts im Altbau eingeladen, bekocht, bewirtet und konnten Erfahrungen über unsere Transplantationen austauschen. Dem Ehepartner einer freiwilligen Mitarbeiterin der Spiele, die uns spontan eingeladen hatte, war 2 Wochen zuvor eine neue Leber transplantiert worden (Wartezeit nur wenige Wochen). Es ging ihm so gut, dass wir einen kleinen Spaziergang über die alte Mississippibrücke machen konnten und einen traumhaften Sonnenuntergang erlebten. Gleichzeitig bietet die Brücke einen herrlichen Blick auf die alten Ruinen des ersten Stauwerkes im Mississippi, damals notwendig für den Transport der Agrarprodukte. Das Loft selbst, in das wir eingeladen waren, ist Teil einer riesigen, ehemaligen Mehlfabrik am Flussufer.

Ein weiteres Beispiel der Ungezwungenheit der Amerikaner im Umgang miteinander erlebten wir am letzten Abend während der Galafeier. In Anschluss an die vielen Reden seitens der Offiziellen der Kidney Foundation, der Sponsoren, der Ehrengäste wie Läuferlegende und Goldmedaillengewinner Carl Lewis, wie den Transplantierten

  • Chris Klug, Snowboard Olympia Bronzemedaillen Gewinner
  • >
  • Larry Hagman, Schauspieler (JR der Dallas Serie)
  • Sean Elliott, Basketballlegende und einigen mehr

gab es ein großes Dinerbuffet. So kamen wir zum Tisch zweier amerikanischer Ehepaare. Meine junge, attraktive Nachbarin erzählte mir, sie sei Krankenschwester und Lebendspenderin. Auf meine Frage, wie es denn dem neben ihr sitzenden Ehemann gehe, sagte sie, sie habe nicht ihm, der gesund ist, sondern ihrem Klempner gespendet. Dies kam, so erzählte sie, weil der ursprünglich geplante Empfänger ihrer Niere vorzeitig verstorben war. Danach erfuhr sie durch Zufall, dass der in ihrem Haus gerade mit Fliesenlegen beschäftige Klempner kurz vor der Dialyse stand. Was in Deutschland gegen das Gesetz verstoßen würde, hat sie gemacht und ihre Niere dann diesem Mann gespendet. Daraus wiederum entstand die Freundschaft der beiden Paare. Sie und ihr Mann sind jetzt immer als "Donor Familiy" bei den US-Transplantierten Spielen mit dabei. Ich will diese Art der Organspende sicher nicht unbedingt gut heißen, aber in den USA ist es offensichtlich Praxis. Bei den Transplantierten Spielen in diesem Jahr waren Teilnehmer aus 49 US-Staaten, insgesamt 7000 Teilnehmer einschließlich der mitgereisten Partner, Donors und Betreuer. Bei der feierlichen Eröffnung bot sich uns ein fahnenfroher Aufmarsch, neben den Flaggen der beteiligten amerikanischen Staaten die Flagge von Kanada (dem Ausrichter der nächsten Welt Sommer Transplantierten Spielen) und von Deutschland.

Bleibt noch eine kleine statistische Information zu berichten: Die beiden einzigen deutschen Teilnehmer (70 und 62 Jahre "jung"), gewannen neben vielen neuen Eindrücken und Freundschaften zusammen 3 Gold und 3 Silbermedaillen bei den nur je 4 möglichen Wettbewerben in den Disziplinen Schwimmen, Weitsprung und Laufen.

Peter Stoetzer, Hamburg