Hörer helfen Kindern
"Leben retten durch Organspende"
Brief eines transplantierten Teens
Hallo Radio Hamburg,
sehr geehrte Damen und Herren,
mit sehr großem Interesse höre ich Radio Hamburg, insbesondere auch "Hörer helfen Kindern". Es hat mich u.a. sehr gefreut, dass die Radio Hamburg Hörer an einem Tag 10.000 EUR ge-spendet haben, damit ein Autositz für ein schwer krankes Kind angeschafft werden kann.
Auch ich habe ein Anliegen, was mir sehr am Herzen liegt. Es geht hierbei nicht um Geld, sondern um ein zweites Leben, "als Geschenk das Leben - Leben retten durch eine Organspende".
Mit 15 Jahren kam ich auf die Warteliste für eine Nierentransplantation. Im Juni 2003 wurde ich im Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) nach einer Dialysezeit von 3 Jahren und 4 Monaten transplantiert.
Die durchschnittliche Wartezeit für eine Niere liegt bei Kindern bei ca. 14 Monaten und bei Erwachsenen bei etwa 66 Monaten. Glücklicherweise ist es aufgrund der medizinischen Fortschritte möglich, die Zeit bis zur Transplantation einer Niere mit der Dialyse zu überbrücken. Bei Herz, Leber, Lunge etc. ist diese Zeit jedoch nicht da. Hier kommt es auf jeden Tag an!
Deutschland weit warten tausende Menschen auf ein Spenderorgan. Wenn nicht rechtzeitig ein Organ gefunden wird, müssen viele Menschen und auch Kinder sterben. Nach Angaben des UKE warten in Hamburg zur Zeit 496 Menschen auf eine Organtransplantation. Insgesamt verstarben im Jahr 2003 40 wartende Menschen. Auch die Zahl der Organspenden pro Mio. Einwohner lag im Bereich Nord mit knapp 13 % (Hamburg 15,6%) unter dem Bundesurchschnitt.
In Deutschland besitzen etwa 13 % der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Mit dem Organspendeausweis kann zur Lebenszeit selber entschieden werden, was nach dem Tod (Gehirntod) passieren soll. Die Entscheidung, ob Organspende ja oder nein, wird nicht in dieser schwierigen Zeit auf die Hinterbliebenen übertragen. Natürlich ist es auch möglich der Organspende mit dem Organspendeausweis zu widersprechen. Der Ausweis wird bei den Ausweispapieren getragen, eine Registrierung erfolgt nicht.
Meine Bitte an Sie: Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Radio Hamburg Hörer in Ihrem Programm darauf hinweisen, welche Funktion der Organspendeausweis hat und warum dieser so wichtig ist.
Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in Zukunft selber ein Organ benötigt, ist deutlich höher, als dass jemand Organspender wird. Bei der Beschaffung eines Ausweises kann jeder Arzt behilflich sein. In den meisten Krankenhäusern liegen diese Ausweise auch aus.
Des Weiteren gibt es viele Hilfsorganisationen in Hamburg, die für Betroffene da sind und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Bei Nierenpatienten ist es die "Interessengemeinschaft künstliche Niere e.V." c/o Peter Stoetzer - Malerwinkel 5, 22607 Hamburg, Tel. 041/85 33 79 36.
Für weitere Fragen oder Informationen zu diesem Thema stehe ich gern zur Verfügung.
Über Ihre Mithilfe würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Mroncz