Rimonabant
(erstellt am: 17.02.2008 - letzte Änderung:03.06.2008 - aufgerufen: 17663 Mal)
Unerwünschte Wirkungen von Rimonabant (Acomplia®)

Anwendungsgebiet
Seit dem Juni 2006 ist ein neues Medikament zugelassen worden. Es heißt Acomplia®, der Freiname ist Rimonabant. Es dient zur Behandlung der Adipositas = Fettsucht und des Übergewichtes (BMI über 27 kg/m²), wenn gleichzeitig zusätzliche Risikofaktoren vorliegen wie Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit oder Fettstoffwechselstörungen.

Definition
Die Substanz Rimonabant ist ein sogenannter Cannabinoid-Rezeptor-Antagonist. Die Cannabinoidrezeptoren finden sich hauptsächlich im Gehirn, aber auch in anderen Körperorganen.

Cannabiswirkung
An diesen Rezeptoren, das sind chemische Strukturen auf den Zellwänden, docken die Wirkstoffe des indischen Hanfs an, die Cannabinoide. Diese sind auch im Haschisch enthalten. Einer der Hauptvertreter ist das THC, das Tetrahydrocannabinol. Nachdem diese Stoffe lange Zeit nur als missbräuchlich verwendete Drogen bekannt waren, hat man in den letzten Jahren versucht, herauszufinden, welche Wirkungen sie im Einzelnen haben und ob sie medizinisch anwendbar sind.

Mit gutem Erfolg sind sie bei Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Übelkeit eingesetzt worden, Probleme, die oft bei Tumoren oder bei AIDS auftreten. Eine Linderung der Symptome bei Multipler Sklerose und eine Senkung des Augeninnendrucks beim Grünen Star wurden beobachtet. Eine Besserung bei chronischem Schluckauf konnte erreicht werden. Untersuchungen zur Frage der Behandlung von chronischen Schmerzen mit Cannabisabkömmlingen ergaben, dass sie nicht besser wirken als Codein. Man kombiniert Codein mit einfachen Schmerzmitteln wie Paracetamol, bevor man zu den Opiaten übergeht.

Rimonabantwirkung
Als man die Rezeptoren, an denen die Cannabinoide ihre Wirkung entfalten, mit anderen Substanzen blockierte, verzeichneten die Untersucher bei den Versuchspersonen einen signifikanten Gewichtsverlust. In Doppelblindstudien mit mehreren Tausend Personen ergab sich im Vergleich zu Placebo (s. dort) ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von ca. 5 Kilogramm, allerdings meistens in Kombination mit einer Verminderung der Kalorienaufnahme. In diesem Zusammenhang kam es zu Besserung des Blutdrucks, Verminderung der Risikofaktoren für die Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen und besserer Einstellung bei Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit.

Rimonabantnebenwirkungen
Folgende Nebenwirkungen wurden beobachtet: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Benommenheit und psychiatrische Störungen. Inzwischen sind weltweit zwischen Juni und November 2006 78.610 Personen mit dieser Substanz behandelt worden. Davon 48.330 in Deutschland. Sie ist bei uns zugelassen, wird aber als sogenanntes Lifestyle-Arzneimittel nicht von den Krankenkassen erstattet. In den USA ist Rimonabant wegen Sicherheitsbedenken von der FDA (Food and Drug Administration, der Zulassungsbehörde) nicht zugelassen worden. Die Gründe dafür sind: Vermehrtes Auftreten psychiatrischer Störungen wie Depression, Angstzustände, Neigung zu Selbstmorden und neurologischer Probleme wie: Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen.

Eine jetzt erschienene Metaanalyse (s. dort) der Daten von 4.105 Patienten zeigt ähnliche Ergebnisse: unter der Wirksubstanz vermehrt Depressionen, Suizidgedanken (Suizid = Selbstmord), Suizidversuche, Angst- und Panikstörungen. Die dem Präparat beiliegende Information wurde entsprechend geändert.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Weitere Informationen finden Sie in Rimonabant / Ergänzung
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 105, Heft 5, 1. Februar 2008-02-06
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